Besuch in der Partnergemeinde Kitandililo

Wilde Tiere, gefährliche Mosquitos, riesige Insekten – was würde mich erwarten…?

Schon seit Monaten wurde diese Partnerschaftsreise nach Tansania vorbereitet und geplant. Ich wurde rauf und runter geimpft, musste mir eine Reiseapotheke zulegen, mich durch einen Visumsantrag quälen… Aber Ende Juli war es dann endlich so weit: wir flogen über Istanbul nach Dar Es Salaam. Afrika!!

Unsere Reisegruppe setzte sich aus acht Vertretern von fünf Gemeindepartnerschaften zusammen. Für mich und zwei weitere Mitreisende war es das erste Mal. Die Ismaninger Michael und Rosita waren 2011 schon einmal zu Gast in Kitandililo und mir als Freunde und Mitorganisatoren eine nahezu überlebenswichtige Unterstützung.

Nach einem langen, anstrengenden Flug und den anschließenden nervenaufreibenden Einreiseformalitäten waren alle froh und dankbar über den von der Kirchengemeinde Dar Es Salaam organisierten Flughafentransfer. Dieser brachte uns auf direktem Weg ins Lutherhaus, wo wir uns weit nach Mitternacht endlich ins Bett fallen lassen konnten.

Nach einem eindrucksvollen ersten Tag in der Stadt haben wir uns früh am zweiten Morgen mit unserem Gepäck und den beängstigend vielen Gastgeschenketaschen auf die Weiterfahrt begeben. Der Kofferraum quoll über.

Auf der Hauptverbindungsstraße in die südlich gelegenen Nachbarländer schoben wir uns gemeinsam mit unzähligen Lastwagen langsam durch die schöne Landschaft Tansanias; am Straßenrand frei umherwandernde Affen! Und als Highlight führte uns ein Teil der Strecke sogar durch den Mikumi Nationalpark. Dort erspähten wir auf der Hinfahrt einen Elefanten! Auf der Rückfahrt wurden uns hier von unseren Mitreisenden mit geschulten Blicken auch noch Giraffen, Büffel, Antilopen, Warzenschweine und Zebras in ihrer natürlichen Umgebung gezeigt. Dieser Einblick in die Tierwelt machten die Wildnis Afrikas nochmal richtig real.

Mitten in der Nacht und deutlich später als erwartet erreichten wir endlich unser Ziel Makambako, wo wir herzlich mit ausgelassenem Jubel, Blumen und fröhlichem Gesang und Tanz von unseren Partnern empfangen wurden. Schnell wurde klar: hier würden wir mehr als nur Besucher sein. Bei einer kleinen Stärkung wurden wir einander vorgestellt und anschließend in unsere Quartiere in den jeweiligen Partnergemeinden gebracht.

Unsere Unterkunft, das Evangelistenhaus von Kitandililo, war mehr als schlicht gehalten – eine freundliche Erinnerung daran, dass Komfort nicht das Wichtigste im Leben ist. Im Zimmer stand ein durchgelegenes Bett und ein Tisch mit Stuhl. Im Bad warteten keinerlei moderne Annehmlichkeiten wie etwa fließendes Wasser, ein Spiegel, eine Dusche oder gar ein Waschbecken, nicht einmal ein Haken an der Wand. Stattdessen gab es eine Stehtoilette und einen großen Eimer Wasser. 

Das alles war erstmal eine Herausforderung, wurde aber schnell zur Normalität und machte uns bewusst, mit wie wenig man eigentlich auskommen kann. Wobei zu erwähnen ist, dass wir tatsächlich insgesamt zwei Steckdosen mit Strom aus dem öffentlichen Netz hatten! Eine echte Überraschung für uns, denn Kitandililo wurde erst Anfang des Jahres ans tansanische Stromnetz angeschlossen und auch insgesamt nur vier Häuser. 

Gefrühstückt haben wir immer gemeinsam mit dem dortigen Pastor Reuben und Julio, dem Schatzmeister der Gemeinde. Danach ging unser tägliches Programm los. Auf holprigen und staubigen Wegen wurden wir nur so durchgeschüttelt. Wie man sich dort fast völlig ohne Wegweiser zurecht findet, blieb uns dabei immer ein Rätsel. Wir besuchten unter anderem Schulen, Kindergärten, Anpflanzungen, Werkstätten und sogenannte „Preaching Points”. Das sind kleine Kirchen, in denen Evangelisten predigen, da der Pastor nicht überall hinkommen kann und es für die Bewohner auch nicht einfach ist, zum Gottesdienst nach Kitandililo zu kommen. Dabei trafen wir auch auf aktuelle und ehemalige von uns unterstützte Auszubildende.

Besonders die Gastfreundschaft vor Ort hat mich tief beeindruckt. Wo wir auch hinkamen, der Empfang war immer überschwänglich und es wurde gesungen und getanzt. Ganz besonders haben sich die Fußballer über die mitgebrachten Trikots gefreut! Wir wurden durchgehend liebevoll betreut und großzügig mit leckeren Mahlzeiten verwöhnt, die aus Zutaten aus eigenem Anbau des Ortes zubereitet wurden. Zu jeder Mahlzeit gab es frisch geerntete Avocados, Bananen, Erdnüsse und Tomaten und schon morgens wurde warm gegessen. Auch Eier und Hühnerfleisch stammten aus eigener Produktion vor Ort – ebenso wie der süße, milde Honig aus der persönlichen Bienenzucht von Reuben.

Das Außergewöhnlichste an dieser Reise war die emotionale Bindung, die entstanden ist: Wir kamen als Gäste an – und gingen als Familie. Durch die intensiven Tage, die gemeinsamen Mahlzeiten und die große Wertschätzung, die uns entgegengebracht wurde, fiel uns der Abschied enorm schwer. Wir wurden reich beschenkt – nicht nur mit Materiellem, sondern vor allem mit wunderschönen Erinnerungen. Kitandililo und seine Bewohner werden in unseren Herzen für immer einen besonderen Platz haben.

Zum Abschied erhielten wir eine besonders berührende Botschaft: Jeder Besuch aus Ismaning ist jederzeit herzlich willkommen. Diese Einladung ist nicht nur eine höfliche Geste, sondern sie ist ernst gemeint.

PS: Ich habe keinen einzigen Mosquito oder sonstige furchterregende Insekten gesehen…

Bericht der Partnerschaftsbeauftragte Manon Harling über Ihren Aufenthalt in Tansania